Anfrage des Ratsherrn Schaffrath - ABL - vom 01.02.2006
betr.: Sitz einer europäischen Institution
Zu den einzelnen Fragen wird wie folgt Stellung genommen:
Frage 1
Hat die Stadt Aachen sich in der Vergangenheit bemüht Sitz einer europäischen
Institution zu werden?
Stellungnahme der Verwaltung:
Die Stadt Aachen hat sich stets bemüht, Sitz einer europaischen Institution
zu werden. Sowohl der damalige Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige
Angelegenheiten des Bundestages, Dr. Hans Stercken, als auch die Europaabgeordneten
Dieter Schinzel, Armin Laschet und Martin Schulz haben separat oder gemeinsam
mit den Oberbürgermeistern Kurt Malangré, selbst langjähriges
Mitglied des Europäischen Parlaments, und Dr. Jürgen Linden Gespräche
mit Mitgliedern der jeweiligen Bundesregierung und Vertretern der Europäischen
Institutionen zu diesem Thema geführt.
Frage 2 Wenn nein, warum nicht?
Frage 3 Wenn ja, wann und in welcher Form?
Stellungnahme der Verwaltung:
Die oben erwähnten Gespräche wurden nicht einzeln dokumentiert, sondern
zu verschiedenen Anlässen geführt. In Aachen fanden solche Gespräche
in der Regel am Rande der Karlspreisverleihung statt bzw. anlässlich der
Durchführung des Kolloquiums Charlemagne. Zudem wurden Termine in Brüssel,
in Bonn bzw. Berlin und auch Düsseldorf genutzt, um Mitgliedern der Bundes-
und Landesregierung sowie Vertretern europäischer Institutionen das Interesse
und die Potenziale Aachens zu erläutern
Frage 4: Welches Ergebnis wurde erzielt?
Stellungnahme der Verwaltung:
Die Stadt Aachen ist mit dem Info-Point Europa beider Karlspreisstiftung (2001-2005),
dem Europäischen Dokumentationszentrum an der RWTH Aachen und dem jetzigen
Informationsrelais Europe Direct beim Fachbereich Wirtschaftsförderung/Europäische
Angelegenheiten (ab 2005) in das offizielle Informationsnetzwerk der Europäischen
Union aufgenommen worden. Damit ist eine finanzielle und materielle Unterstützung
der Europäischen Union verbunden.
Darüber hinaus hat die Stadt Aachen gemeinsam mit der Stiftung Internationaler
Karlspreis zu Aachen mit dem im Jahre 2005 erfolgreich implementierten Karlspreis
Diskurs im Europäischen Parlament in Brüssel eine längerfristige
Partnerschaft begründet, die in dieser Form europaweit einzigartig ist.
Frage 5: Wenn die Bemühungen erfolglos waren, mit welcher Begründung
wurden sie abgelehnt?
Stellungnahme der Verwaltung:
Die Ablehnung der Vergabe von großen europäischen Einrichtungen
erfolgte in der Zeit vor 1989 mit der Begründung, es sei eine Konzentration
auf die Städte Brüssel und Straßburg erforderlich, zudem gehöre
lediglich eine Europäische Institution in jedes Mitgliedsland. Ab 1989
erfolgte sie mit dem Hinweis, durch die bevorstehende Vereinigung Europas und
die sich abzeichnende Integration der mittel- und osteuropäischen Länder
für diese neuen Mitgliedsländer noch europäische Institutionen
vorgesehen werden müssten.
Die Einrichtung neuer europäischer Institutionen in den alten Mitgliedsländern
erfolgte in der Regel in den Länden, die zum Zeitpunkt der Etablierung
einer Institution den Vorsitz inne hatten. Beispiel: italienische EU-Ratspräsidentschaft
und Umzug der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit
nach Parma. Zitat aus "europa-digital" vom 15.12.2003:
"Nach einem, gemessen an der Bedeutung des Themas, grotesken Streit, bekommt
die europäische Lebensmittelagentur ihren Sitz im norditalienischen Parma
und nicht in Finnland. Dort wird dafür eine Chemie-Agentur angesiedelt.
Auch Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Portugal wurden mit ähnlichen
Einrichtungen bedacht."
Köln wurde 2003 mit dem Sitz der Europäischen Agentur für Flugsicherheit
bedacht, u.a. weil Köln der Sitz des Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) ist. Dies ist auch in Zusammenhang mit dem Bonn-Berlin-Gesetz
zu sehen, das die Ansiedlung europäischer und internationaler Institutionen
vorrangig im Großraum Bonn intendiert, um den Wegzug der Bundesregierung
zu kompensieren.
Frage 6: Gibt es weiterhin das Bemühen der Stadt eine europäische Institution nach Aachen zu holen?
Stellungnahme der Verwaltung:
Ja. Der Oberbürgermeister der Stadt Aachen, die Mandatsträger in
Land, Bund und Europa, gehen sehr sorgfältig mit diesem Thema um, auch
wenn die Aussichten angesichts 25 Mitgliedsländern der EU gering sind.
Martin Schulz, Mitglied des Europäischen Parlaments, ist involviert. Die
nächsten Gespräche werden im Mai dieses Jahres geführt.
Aachen hat unmittelbar nach der Bildung der Koalitionsregierung in Berlin Frau
Bundeskanzlerin Dr. Merkel darauf hingewiesen dass Aachen der ideale Ort für
Veranstaltungen während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007
sei. Eine positive Eingangsbestätigung seitens des zuständigen Ministers
für Auswärtige Angelegenheiten liegt vor. Insofern besteht eine begründete
Aussicht darauf, dieses Thema im Jahre 2007 vor Ort ansprechen zu können.
Die Stadt Aachen und die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen haben
sich bis jetzt mit Erfolg dafür eingesetzt, während der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2007 in Brüssel
präsent zu sein. Dies wird voraussichtlich im Rahmen einer Ausstellung
zum Thema "Aachen und der Internationale Karlspreis" im Gebäude
der EU-Kommission stattfinden.
Insofern wird das Anliegen, eine europäische Institution nach Aachen zu
holen, sowohl vor Ort - Stichwort "Karlspreis-Verleihung", "Karlspreis-Forum".
"Karlspreis-Rahmenprogramm" - als auch in Stichwort: "Karlspreis-Diskurs",
als auch in Berlin: Stichwort: deutsche EU-Ratspräsidentschaft - weiter
verfolgt.
Das die Umsetzung des Projekts "Bauhaus Europa" die Verhandlungsposition
Aachens allerdings stärken würde, ist überaus wahrscheinlich,
würde es doch einmal mehr die europäische Ausrichtung und das europabezogene
Engagements Aachen dokumentieren. Zugleich zeigt der Fall Köln, dass die
lmplementierung einer europäischen Institution um so leichter stattfindet,
wenn vorhandene Einrichtungen den Nachweis von qualifizierten Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern dokumentieren.