"Stop Bauhaus Europa" e.V. Aachen und die Bürgerbegehren »Bauhaus Europa? Nein danke! aus Aachen verfolgen das Ziel, den Abriss des Verwaltungsgebäudes am Katschhof sowie den Neubau des sogenannten "Bauhauses Europa" an gleicher Stelle zu verhindern.

"Stop Bauhaus Europa" in Aachen. Aachener wollen ein Bürgerbegehren einleiten

 

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28 Dezember, 2006 18:39    
    
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Sehr geehrte Leserinnen und Leser unserer Web-Site,

Rund 56 000 Aachener Bürgerinnen und Bürger haben am 10.12.2006 das „Bauhaus Europa“ am Aachener Katschhof abgelehnt. Die Gründe der Ablehnung waren sehr unterschiedlich und vielschichtig. Ein kleiner Teilerfolg auf dem Weg zu mehr "Demokratie d u r c h s Volk". Ein relativ grosser Erfolg, bedenkt man, wie in Aachen die Demokratie mit Füssen getreten wurde (s. Meldungen vom 5.12. und 8. 12. 2006) .

Der Weg des Erfolges war auch mit finanziellen Steinen gepflastert. Bis heute sind noch etliche Rechnungen über Druckkkosten zu Plakaten und Flyern offen. Deshalb nochmals die Bitte um Unterstützung.
Jede Spende hilft, sei sie noch so klein. Sollte wieder Erwarten ein Überschuß bestehen, so wird dieser satzungsgemäß einer Aachener Sozialeinrichtung zur Verfügung gestellt.

Kto. 10 71 51 07 86
BLZ 390 500 00
bei Sparkasse Aachen

Vielfältig war das Spektrum der Menschen, die durch ihr ehrenamtliches Engagement das Bürgerbegehren gegen das Bauhaus auf den Weg gebracht haben.
Einigkeit in der Empörung darüber. wie die Arroganz der Macht in Gestalt der Ratsvertreter von SPD, Grünen, FDP und Linkspartei die Kritik am geplanten Wahnwitz zurückwiesen, getreu dem Motto, wir machen Demokratie f ü r s Volk.

Am Beispiel "Bauhaus Europa" wurde Demokratie durchs Volk praktiziert. So soll es auch weiterhin geschehen. "Mehr Demokratie" startet eine Volksinitiative für ein demokratischeres Wahlrecht Nähere Information erhalten Sie demnächst unter: http://www.wahlrecht-nrw.de .

In diesem Sinne wünscht S B E einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Passt auf, wenn Ihr Öcher seid:
Man will Euch einspannen für ein kostspieliges Abenteuer!
(Teil 2)

Nach wie vor gibt der OB Dr. Linden die Sponsoren, die Bauchschmerzen haben sollen öffentlich bekannt zu werden, nicht bekannt. Nach wie vor stehen zu den 5,5 Millionen € Sponsoren-Geldern die 4,5 Millionen €, die noch eingeworben werden sollen nicht fest.

Fest steht allerdings, daß am 10.12.2006 der "Souverän" entscheiden wird, der sog. einfache Bürger wird an die Wahlurne gebeten, um den Zahlen, Visionen und sprudelndem Wahnwitz (Teil 1) ein Ende zu bereiten. Die sogenannten Abstimmungsbenachrichtigungen für den Bürgerentscheid werden laut Pressemitteilung der Stadt Aachen ab dem 14.11.2006 verschickt.

Bis dahin empfehlen wir Teil 2 unserer Forsetzungsserie:

Eine Bühne, wie sie die Welt nicht gesehen hat". Das preisgekrönte, begeistert begrüßte Bauprojekt

"Eine Bühne, die die Welt noch nicht gesehen hat"
Das preisgekrönte, begeistert begrüßte Bauprojekt.

Eingangs musste die Rede sein von suggestiven Zahlenspielen, die von offizieller Seite veranstaltet werden. Ob sie noch als seriös zu bezeichnen sind, mag jeder selbst entscheiden.
Über das, was der Bürgerschaft mit Worten zugemutet wird, dürften die Meinungen freilich nicht allzu weit auseinanderlaufen.

1. Die Jury hatte einstimmig den Preis zuerkannt. Und prompt häuften sich die Meldungen, wer alles hellauf begeistert sei vom Tschapeller-Entwurf für das sog. "Bauhaus Europa" (im folgenden abgekürzt mit: BE).

Der Vorsitzende des Preisgerichts, Carl Fingerhuth (Honorarprofessor der TU Darmstadt mit Wohnsitz in Zürich) gratulierte während der sog. "Bürgerinformation" (02.02.06) den Preisrichtern wegen ihres "Mutes zum Risiko", der die Urteilfindung geleitet habe, und feierte dann den Tschapeller-Entwurf als "ein Bühne, die die Welt noch nicht gesehen hat". Den Einwand, dass sich der geplante Bau nicht vertrüge mit dem UNESCO-Weltkulturerbe der Pfalzkapelle, tat er ab mit der Prophezeiung, dieser werde "in 50 Jahren selbst zum Weltkulturerbe gehören".

Oberbürgermeister Dr. Linden nannte den Entwurf "exakt das richtige Projekt für diese Stadt": Etwas ganz Sensationelles und "völlig Neues" werde für "Furore" sorgen, und zwar dauerhaft und europaweit (AN, 12.01.06).

Stellungnahmen von ähnlich faszinierten Honoratioren, Amts- und Mandatsträgern sind noch erinnerlich, brauchen also hier nicht aufgeführt zu werden - mit zwei Ausnahmen. Carl Meulenbergh (CDU), Landrat des Kreises Aachen, sah sich zu der visionären Feststellung veranlasst: "Wenn das Bauhaus kommt, wird es 30 Jahre ausstrahlen" (EuRegionale 2008, S1). Und Dezernentin Gisela Nacken, den GRÜNEN zugehörig, tat kund: Die Realisierung von Tschapellers Entwurf "wäre die Krönung für unsere Innenstadt" (AZ,21.09.06).
Haben die Öcher solch einem Ereignis nicht schon seit Jahrhunderten entgegengefiebert?

2. Vom sog. einfachen Bürger ist kaum zu erwarten, dass er über Grundwissen in Sachen Architektur verfügt, und noch viel weniger, dass er Baupläne lesen kann. Er vertraut seinem Gutdünken, und zwar, wie betont sei, aus unbedingt achtenswerter Souveränität seiner Lebenserfahrung und seines persönlichen Empfindens. Ein Modell und ein paar Computerbildchen rufen Ablehnung hervor - oder aber: sie entflammen die Hoffnung auf das ganz Andere, Unerhörte und triumphal Zukunftsweisende.
Alles das erleben wir gerade.

Man will ja nicht als Banause gelten, sondern als zeitgemäß. Das ist man sich schuldig. Wie fasste doch Ratsherr Claus Haase (SPD) in der Sitzung des Planungsausschusses (09.02.06) zusammen? "Jede Zeit baut nach ihrer Art. Wir haben die Chance, in diesem Gebäude (d.h. dem Tschapeller-Entwurf für das BE) unseren Empfindungen und unserer Zeit Ausdruck zu geben". Ratsherr Haase, so darf man zu den Akten nehmen, setzt seine Empfindungen gleich mit denen einer Zeitgenossenschaft, die sich eben zeitgemäß beträgt.
Oder wäre Claus Haase da nur Sprachrohr gewesen für die Gestaltungsmehrheit im Stadtrat? Aus deren Sicht musste Alt-Oberbürgermeister Kurt Malangré natürlich als hoffnungslos rückständig erscheinen, wenn ihn, mit Blick auf die Realisierung des Tschapeller-Entwurfs, vor einem "Baugraus" schauderte. (AZ,10.03.06)
Voll drängender Zuversicht andrerseits SPD-Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken: Es handele sich um einen "unheimlich mutigen Entwurf" (WDR 5; 06.04.06). Man dürfe sich "nicht immer nur" auf die Attraktionen Dom und Rathaus verlassen; da müsse schon mal was Neues her - und das BE sei gerade das Richtige. Auch in seine Empfindungswelt ließ Ratsherr Höfken blicken: Für das Verwaltungsgebäude am Katschhof habe er sich immer zu "schämen", wenn er Besucher herumführe (Ratssitzung 16.08.06).

Was können wir von Höfken lernen?
´Futuristische` Architektur im Stadtkern - das befreit schlagartig von angestauter Scham. Das verleiht die stolze Genugtuung, mit der Zeit gegangen, ihr sogar mutvoll vorausgeeilt zu sein. "Die Aachener Innenstadt bekommt ein neues Gesicht", frohlockte denn auch das bereits erwähnte Propaganda-Blättchen (EuRegionale 2008). Und das Gesetz, das auch im Fall BE zu bedienen sei, formulierte Kurdirektor Werner Schlösser: "Aachen braucht immer etwas Neues" (Bad Aachen, Sept. 06).

Sollte es den Befürwortern entgangen sein, dass "jede Zeit" eben auch ihre Bausünden hervorbringt, in denen die Zeitgenossen ihre "Empfindungen" zunächst bestens repräsentiert sehen? Wovon sie dabei geleitet sind, kommt freilich erst mit etwas zeitlichem Abstand zum Vorschein: Opportunismus, Schnellfertigkeit, Geltungsdrang - vor allem aber die sklavische Angst davor, nicht ´zeitgemäß` zu sein, d.h. irgendwie den Anschluss zu verpassen.

An Beispielen besteht kein Mangel. Wie war das doch seinerzeit mit dem "Haus der Kohle"? Wurde es nicht freudig begrüßt - als städtebaulich unverzichtbarer, markanter Akzent von Modernität im historischen Zentrum? Dass damals Sachverständige mit von der Partie gewesen sind, wird wohl niemand bestreiten.

Wer heute das viel bejubelte Tschapeller-Projekt ablehnt, riskiert den Vorwurf, ´empfindungsmäßig` nicht auf der Höhe zu sein. Ganz up-to-date hingegen fühlen sich die Befürworter: Sie nehmen die Geschmackshoheit für sich in Anspruch - ihre "Empfindungen" sollen Vorfahrt haben. Und das äußert sich dann in Aufrufen zu Gefolgschaftstreue und lokalpatriotischer Unbeirrbarkeit.

Ob man dabei vielleicht nur unbegriffenen Konventionen folgt, kann schon nicht mehr in den Blick kommen. Denn dieser Blick bleibt fixiert auf das "must have", auf das emotional hochbesetzte Wunschobjekt. Es verspricht Steigerung des Daseinsgefühls. Vom BE, diesem Tempel bürgerschaftlichen "Stolzes" (vgl. Leserbrief AZ, 07.10.06) wird denn auch verkündet, er werde den Bürgern zufallen wie eine Auszeichnung: "Aachen und die Aachener haben das Bauhaus verdient" so Dr. Linden (Super Sonntag 01.10.06). Und wer wollte eine verdiente Auszeichnung von sich weisen?

Beim sog. ´Bewerben` des Tschapeller-Projekts verlässt man sich also auf altbekannte Strickmuster des Konsumentenfangs. Davon soll nicht weiter die Rede sein. Jedoch ist daran zu erinnern, dass von den Ewig-Zukünftigen einige Gefahr ausgeht. Es kann in schlimmer Ernüchterung enden, wenn man auf ihre Hochstimmungen einschwenkt. Denn zumeist gehen sie einher mit Wahrnehmungsverlusten und einer Trübung des Urteilsvermögens.

Die Dinge werden ja viel einfacher, wenn man sich den Trends überlässt. Wie von selbst läuft dann alles einer glänzenden Zukunft entgegen: man muss nur recht den Verheißungen glauben, die da in Umlauf gesetzt werden. Und erlebt man in der Masse von gleichermaßen Begeisterten nicht so etwas wie Wärme und Geborgenheit? Nieder also mit allem "krämerischem Bedenkenträgertum"! Es steht im Weg, wo es, aus "spirituellen Gründen", doch an der Zeit ist mit dem gloriosen Vorhaben (Werner Czempas, Werbeschrift des Fördervereins).
Einwände gleich welcher Art - sie stören nur den Geist des Aufbruchs.

Der Widerstand des sog. einfachen Bürgers gegen das BE ist nicht zuletzt Widerstand gegen das , was lautstark als zeitgerecht ausgerufen wird und ihm mit Macht aufgeredet werden soll. Ganze Kompanien von Marketing-Leuten sind im Einsatz, um die Bürgerschaft zu zeitgerechtem Fühlen und solidarischem Mitziehen zu bekehren: Wie wenn von der Tschapeller-Architektur das Wohl der Stadt abhinge, wie wenn Dom und Rathaus der kontrastiven Aufhöhung durch ein ´futuristisches` Gebilde bedürften!
Ein bisschen demagogisches Spiel mit der Angst ist auch mit dabei, wenn der vielstimmige Ruf von der "einmaligen Chance" ertönt, die Aachen zum Aufblühen brächte - wo es doch sonst seine "Zukunftsfähigkeit" einbüßte...

Schrittmacher des Zukunftsjubels sind natürlich die Vertreter der Gestaltungsmehrheit im Rat. Zu ihnen gesellen sich Fachleute, die nicht sparen mit Verheißungen - etwa der, Aachen werde bald aufschließen zur Reihe der Architekturmetropolen: "Bilbao war gestern, Aachen ist heute", so titelte man unlängst, und zwar mit Worten , die ein Mitglied der BE-Jury bei anderer Gelegenheit von sich gegeben hatte (AZ, 27.09.06). Mit weniger geben wir uns nun mal nicht zufrieden: Vür sönd allemoele Öcher Jonge...

Was weiß der sog. einfache Bürger schon von Bilbao, was von Gehry oder Zaha Hadid? Er weiß, dass es Leute gibt, die ihrem Novitäten- und Konsumentenbedürfnis frönen - Leute, die von Event zu Event reisen, um dann bei jeder Gelegenheit ihre Begeisterungsfähigkeit zu demonstrieren.

Den sog. einfachen Bürger interessiert vielleicht ganz anderes:
Zahlenwerke des städtischen Haushalts, Prognosen, Nutzungs- und Zweckdienlichkeitserwägungen - kurzum: Ernüchterndes. Und wenn ihm darüber hinaus das Tschapeller-Projekt missfiele als ein störend-gewaltsamer Eingriff in die historische Kernzone der Stadt: Wäre er deshalb ein Banause?
Er urteilt ebenso nach seinem Gutdünken wie die Befürworter nach dem Ihren. Den Unterschied macht nur, dass diese auf der Überlegenheit ihres Geschmacksurteils bestehen.

Nach allem wäre es schon ein Erfolg für die Begeisterungs-Agenten in der Stadt, wenn der sog. einfache Bürger, eingeschüchtert von konzertierten Jubel, allmählich der Sache überdrüssig würde: ´Die machen ja sowieso, was sie wollen`. Auf der einen Seite die angemaßte Hoheit des "Empfindens", auf der anderen der Grimm über ein kommunales Abenteuer, für das die Bürgerschaft mit großem Buhei gewonnen - und für dessen Ausgang sie schließlich haftbar gemacht werden soll.

(Wird fortgesetzt)

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