The World Heritage Centre UNESCO
7, place de Fontenoy
75352 Paris 07 SP,
France
Re: World Heritage List No.: 3, the Cathedral
of Aix-la-Chapelle
Ladies and Gentlemen,
I have been requested by a civic action group in Aachen (Aix-la-Chapelle)/the Federal Republic of Germany to draw your kind attention to a building project by the city of Aachen which in our opinion will lastingly damage the world heritage rating of the cathedral in Aix-la-Chapelle. The Cathedral of Aix-la-Chapelle (Aachen) was listed in your World Heritage List No. 3 on the 3rd of April 1978. The relevant ICOMOS recommendations were based on the criteria I, II, IV and VI.
The majority of the City Council of Aachen voted last week, on the 16th of August 2006 for a motion brought forward by the Lord Mayor of Aachen, Dr. Jürgen Linden in favour of building a glass-steel edifice in the direct neighbourhood of the Cathedral. Contrary to the City Council approximately 65 % of the population are strongly opposed to this project which you will find depicted in the attached print material.
Most of the people opposing this project are afraid that the existing ensemble will suffer architecturally beyond recognition. Today there is an open place, the Katschhof, between the Historic City Hall built from 1330-1349 and the Cathedral. Looking at the Cathedral from the City Hall one will see on the right the Cathedral choir school and attached to the City Hall a historically styled administrative building which was rebuilt after the II WW. On the left you see a number of traditional private houses.
The administrative building will completely be demolished to make place for the glass-steel building which will have a volume bigger than the Cathedral.
Frau Ministerialdirigentin Dr. Birgitta Ringbeck
Referentin für Denkmalpflege
Ministerium Bauen und Verkehr des Landes NRW
Fürstenwall 25
D-40219 Düsseldorf
Betr.: Gefährdung des Weltkulturerbes "Dom zu Bad Aachen"
Sehr geehrte Frau Dr. Ringbeck,
Die Bügerinitiative "Stop Bauhaus Europa e.V." hat mich gebeten, das World Heritage Centre der UNESCO in Paris von der befürchteten Gefährdung des Doms zu Aachen als anerkanntes Weltkulturerbe zu informieren. Als zuständige Referentin für Denkmalpflege des Landes Nordrhein Westfalen möchte ich Sie gerne von dem betreffenden Schreiben in Kenntnis setzen. Eine Kopie dieses Schreibens habe ich zu Ihrer umfassenden Unterrichtung als Anlage diesem Brief beigefügt.
Nach den vorliegenden Informationen der Bürgerinitiative hat bisher noch niemand auf die drohende Gefährdung des Dom zu Aachen im Rahmen dieses UNESCO-Programmes hin-gewiesen. Deutlich über 65 % der Aachener Bürger haben sich nach bisherigen Umfragen gegen dieses Projekt ausgesprochen.
An erster Stelle der von Aachener Bürgern geäußerten Bedenken gegen dieses Projekt steht die architektonische Neugestaltung des Katschhofes mit einer Glas-Stahlkonstruktion auf dem Grundstück des bisherigen Verwaltungsgebäudes, das nach dem II. Weltkrieg wieder-aufgebaut wurde. Der Katschhof ist der Freiplatz zwischen Dom und Historischem Rathaus. Wenn man vom Rathaus zum Dom blickt, sieht man auf der rechten Seite das historisch nachempfundene Verwaltungsgebäude, das abgerissen werden müsste. Näher zum Dom hin befindet sich die Domsingschule. Links stehen eine Reihe älterer Bürgerhäuser, die sich in das jetzige Ensemble gut einreihen.
Die Bevölkerung befürchtet eine massive Beeinträchtigung dieses architektonischen Ensem-bles durch einen Baukörper, der sich weder stilistisch noch durch angemessene Propor-tionen in dieses Ensemble einfügt. Der Stilbruch wird auch durch die Größenordnung dieser Stahl-Glasskonstruktion deutlich, die ein Bauvolumen größer als das des Domes zu Aachen beinhaltet. Eine Abbildung des Entwurfes Bauhaus Europa füge ich meinem Schreiben ebenfalls bei.
Sie, verehrte Frau Dr. Ringbeck, werden bessere Informationen über das Bauvorhaben der Stadt Aachen zur Verfügung haben als wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten beibringen können. Eine umfassende Berichterstattung der Stadt Aachen über dieses denkmalrelevante Projekt müsste nach unserer Auffassung eine Selbstverständlichkeit sein, da die Stadt bei der Realisierung des Projektes zu über 80 % auf Landesmittel angewiesen ist.
Wie Sie dem beigefügten Schreiben an die UNESCO entnehmen können, äußern wir unsere tiefe Besorgnis, dass durch die Baupläne der Stadt Aachen das seit dem 3. April 1978 anerkannte Weltkulturerbe des Domes zu Aachen in Frage gestellt wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass auch die Landesregierung bei genauer Prüfung die Neubebauung des Dom-Rathaus Ensembles, als Denkmal zerstörend einschätzen wird. Die Bedenken sind nach unserer Einschätzung durchaus vergleichbar mit der erst kürzlich geäußerten Kritik der UNESCO an der rechtsrheinischen Bebauung in Köln mit Hochhausobjekten mit Blickwinkel auf den Kölner Dom.
Wir möchten Sie bereits vor einer abgestimmten Vorgehensweise mit der UNESCO bitten, sich den denkmalpflegerischen Aufgaben bei der Bewahrung des Weltkulturerbes Aachener Dom anzunehmen und in diesem Sinne zu prüfen, inwieweit ein Schaden dem Weltkul-turerbe Dom zu Aachen drohen könnte. Sollten Sie eine Gefahr für die Einordnung des Domes zu Aachen in das Weltkulturerbe erkennen, wären wir Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie die Stadt Aachen schon im Vorfeld der erbetenen UNESCO-Untersuchungen auf diese Problematik hinweisen könnten.
Mit freundlichen Grüssen
Michael J. Meixner
(Vorsitzender der Aachener Bürgerliste)
Anlagen:
1. Schreiben an die UNESCO betreffend die Neubebauung des Ensembles Rathaus
und Dom zu Aachen.
2. Abbildung des ausgewählten Entwurfes von Tschapeller für das
Bauhaus Europa.
Kopien: AN, AZ, DER SPIEGEL, FAZ, FOCUS, Süddeutsche Zeitung, Bistum
Aachen, Deutsche Stiftung Denkmalschutz