Betr.: Gefährdung des Weltkulturerbes "Dom zu Bad Aachen"
Sehr geehrte Frau Dr. Ringbeck,
Die Bügerinitiative "Stop Bauhaus Europa e.V." hat mich gebeten, das World Heritage Centre der UNESCO in Paris von der befürchteten Gefährdung des Doms zu Aachen als anerkanntes Weltkulturerbe zu informieren. Als zuständige Referentin für Denkmalpflege des Landes Nordrhein Westfalen möchte ich Sie gerne von dem betreffenden Schreiben in Kenntnis setzen. Eine Kopie dieses Schreibens habe ich zu Ihrer umfassenden Unterrichtung als Anlage diesem Brief beigefügt.
Nach den vorliegenden Informationen der Bürgerinitiative hat bisher noch niemand auf die drohende Gefährdung des Dom zu Aachen im Rahmen dieses UNESCO-Programmes hin-gewiesen. Deutlich über 65 % der Aachener Bürger haben sich nach bisherigen Umfragen gegen dieses Projekt ausgesprochen.
An erster Stelle der von Aachener Bürgern geäußerten Bedenken gegen dieses Projekt steht die architektonische Neugestaltung des Katschhofes mit einer Glas-Stahlkonstruktion auf dem Grundstück des bisherigen Verwaltungsgebäudes, das nach dem II. Weltkrieg wieder-aufgebaut wurde. Der Katschhof ist der Freiplatz zwischen Dom und Historischem Rathaus. Wenn man vom Rathaus zum Dom blickt, sieht man auf der rechten Seite das historisch nachempfundene Verwaltungsgebäude, das abgerissen werden müsste. Näher zum Dom hin befindet sich die Domsingschule. Links stehen eine Reihe älterer Bürgerhäuser, die sich in das jetzige Ensemble gut einreihen.
Die Bevölkerung befürchtet eine massive Beeinträchtigung dieses architektonischen Ensem-bles durch einen Baukörper, der sich weder stilistisch noch durch angemessene Propor-tionen in dieses Ensemble einfügt. Der Stilbruch wird auch durch die Größenordnung dieser Stahl-Glasskonstruktion deutlich, die ein Bauvolumen größer als das des Domes zu Aachen beinhaltet. Eine Abbildung des Entwurfes Bauhaus Europa füge ich meinem Schreiben ebenfalls bei.
Sie, verehrte Frau Dr. Ringbeck, werden bessere Informationen über das Bauvorhaben der Stadt Aachen zur Verfügung haben als wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten beibringen können. Eine umfassende Berichterstattung der Stadt Aachen über dieses denkmalrelevante Projekt müsste nach unserer Auffassung eine Selbstverständlichkeit sein, da die Stadt bei der Realisierung des Projektes zu über 80 % auf Landesmittel angewiesen ist.
Wie Sie dem beigefügten Schreiben an die UNESCO entnehmen können, äußern wir unsere tiefe Besorgnis, dass durch die Baupläne der Stadt Aachen das seit dem 3. April 1978 anerkannte Weltkulturerbe des Domes zu Aachen in Frage gestellt wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass auch die Landesregierung bei genauer Prüfung die Neubebauung des Dom-Rathaus Ensembles, als Denkmal zerstörend einschätzen wird. Die Bedenken sind nach unserer Einschätzung durchaus vergleichbar mit der erst kürzlich geäußerten Kritik der UNESCO an der rechtsrheinischen Bebauung in Köln mit Hochhausobjekten mit Blickwinkel auf den Kölner Dom.
Wir möchten Sie bereits vor einer abgestimmten Vorgehensweise mit der UNESCO bitten, sich den denkmalpflegerischen Aufgaben bei der Bewahrung des Weltkulturerbes Aachener Dom anzunehmen und in diesem Sinne zu prüfen, inwieweit ein Schaden dem Weltkul-turerbe Dom zu Aachen drohen könnte. Sollten Sie eine Gefahr für die Einordnung des Domes zu Aachen in das Weltkulturerbe erkennen, wären wir Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie die Stadt Aachen schon im Vorfeld der erbetenen UNESCO-Untersuchungen auf diese Problematik hinweisen könnten.
Mit freundlichen Grüssen
Michael J. Meixner
(Vorsitzender der Aachener Bürgerliste)
Anlagen:
1. Schreiben an die UNESCO betreffend die Neubebauung des Ensembles Rathaus
und Dom zu Aachen.
2. Abbildung des ausgewählten Entwurfes von Tschapeller für das
Bauhaus Europa.
Kopien: AN, AZ, DER SPIEGEL, FAZ, FOCUS, Süddeutsche